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Dachfläche & Ausrichtung

Stand: Juni 2026

Ob sich Ihr Dach für Solar eignet, entscheidet sich vor allem über vier Faktoren: Ausrichtung, Neigung, Verschattung und nutzbare Fläche. Ein Süddach liefert den höchsten Ertrag, doch Ost-West-Dächer sind heute fast gleichwertig und passen oft besser zum Verbrauch. Rund 5–7 m² Dachfläche je kWp sind ein guter Richtwert.

Süd, Ost-West oder Nord – welche Ausrichtung bringt am meisten?

Ein nach Süden ausgerichtetes Dach liefert den höchsten Jahresertrag, bei guter Neigung etwa 950 kWh je kWp und Jahr. Ost-West-Dächer kommen auf rund 85 % davon, verteilen die Erzeugung aber auf Morgen und Abend – was zum Tagesverlauf vieler Haushalte oft besser passt. Reine Nordflächen lohnen sich meist nicht.

Lange galt alles außer Süd als zweite Wahl. Das stimmt so nicht mehr. Wenn Sie Ihren Strom überwiegend selbst verbrauchen wollen, zählt nicht nur der absolute Spitzenertrag, sondern auch, wann der Strom anfällt. Ost-West-Anlagen erzeugen morgens und abends – also dann, wenn in vielen Haushalten der Verbrauch am höchsten ist.

Ertrag je nach Ausrichtung

Die folgenden Faktoren beziehen sich auf eine optimal ausgerichtete Südfläche (= 100 %). Multiplizieren Sie den spezifischen Ertrag von ~950 kWh/kWp mit dem passenden Faktor, erhalten Sie eine grobe Orientierung.

AusrichtungFaktor ggü. Südungefährer Ertrag je kWp/Jahr
Süd100 %~950 kWh
Südost / Südwest~96 %~910 kWh
Ost / West~85 %~810 kWh
Nordost / Nordwest~72 %~685 kWh
Nord~60 %~570 kWh
Flachdach (aufgeständert)~88 %~835 kWh

Stand: Juni 2026 – Quelle: Branchenmittel / HTW Berlin. Die Werte sind Richtwerte; Verschattung, Neigung und Standort verschieben sie im Einzelfall.

Welche Dachneigung ist optimal?

Die ideale Neigung liegt in Deutschland grob zwischen 30 und 35 Grad. Aber auch deutlich flachere oder steilere Dächer funktionieren gut – die Ertragsunterschiede sind kleiner, als viele erwarten. Wichtiger als die perfekte Neigung sind eine gute Ausrichtung und möglichst wenig Verschattung. Ein 20- oder 45-Grad-Dach ist selten ein Ausschlusskriterium.

Auf Flachdächern werden die Module aufgeständert und nach Süden oder in Ost-West-Reihen ausgerichtet. Das verschafft Ihnen eine frei wählbare Neigung, kostet aber Fläche: Die Reihen müssen Abstand halten, damit sie sich nicht gegenseitig verschatten. Deshalb nutzt eine Flachdachanlage pro kWp etwa 88 % des Südertrags – und es bleibt weniger Bruttofläche belegbar (dazu unten mehr).

Wie stark schadet Verschattung dem Ertrag?

Verschattung ist der Ertragskiller, der am häufigsten unterschätzt wird. Ein Baum, ein Schornstein, eine Gaube oder das Nachbarhaus kann einzelne Module über Stunden ausbremsen – und in ungünstiger Verschaltung sogar einen ganzen Modulstrang. Entscheidend sind Dauer und Tageszeit des Schattens, nicht allein seine Größe.

Moderne Anlagen begegnen dem Problem mit Leistungsoptimierern oder modulweisen Wechselrichtern (Mikrowechselrichtern). Damit liefert jedes Modul unabhängig von seinen Nachbarn – ein verschattetes Modul zieht den Rest nicht mehr mit nach unten. Beseitigen lässt sich starke Dauerverschattung damit aber nicht: Eine Fläche, die täglich stundenlang im Schatten liegt, bleibt wenig ergiebig. Im Zweifel ist es besser, solche Bereiche frei zu lassen.

Wie viel Dachfläche brauche ich – und wie viel ist nutzbar?

Als Faustwert brauchen Sie pro Kilowatt-Peak etwa 5–7 m² Dachfläche: rund 5,5 m² reine Modulfläche bei modernen 430-Wp-Modulen, plus Abstände. Entscheidend ist die zusammenhängende, gut ausgerichtete Fläche – nicht die gesamte Dachfläche inklusive Nordseite und Aufbauten.

Nicht jeder Quadratmeter Dach lässt sich belegen. Dachfenster, Gauben, Schornsteine, Antennen und der nötige Randabstand kosten Platz. Als grobe Orientierung gilt:

  • Schräg- und Satteldach: etwa 80 % der Bruttofläche sind nutzbar.
  • Flachdach: nur etwa 60 %, weil die aufgeständerten Reihen Abstand brauchen.

So schätzen Sie Ihre nutzbare Fläche grob ab

  1. Nehmen Sie die Grundfläche der gut ausgerichteten Dachseite (Länge × Breite der Dachschräge).
  2. Ziehen Sie Aufbauten ab und rechnen Sie mit ~80 % (Schrägdach) bzw. ~60 % (Flachdach) nutzbarer Fläche.
  3. Teilen Sie das Ergebnis durch ~5,5 m², um die mögliche Leistung in kWp zu erhalten.

Ein Beispiel: 50 m² gut ausgerichtete Satteldachfläche → etwa 40 m² nutzbar → grob 7 kWp möglich. Ob das zu Ihrem Verbrauch passt, lesen Sie im Ratgeber Welche Anlagengröße brauche ich? – als Daumenregel gilt rund 1 kWp je 1.000 kWh Jahresverbrauch, nach oben durch die Dachfläche begrenzt.

Welcher Dachtyp eignet sich am besten?

Grundsätzlich lässt sich fast jeder gängige Dachtyp belegen – die Bauform bestimmt vor allem, wie flexibel die Ausrichtung ist und wie viel Fläche übrig bleibt.

  • Satteldach – der Klassiker; meist wird die am besten ausgerichtete Seite belegt, bei Ost-West häufig auch beide.
  • Pultdach – eine einzelne geneigte Fläche, ideal, wenn sie nach Süden, Osten oder Westen zeigt.
  • Walmdach – mehrere kleinere Flächen; oft lassen sich zwei Seiten sinnvoll kombinieren.
  • Flachdach – frei wählbare Ausrichtung per Aufständerung, dafür durch Reihenabstände weniger nutzbare Fläche.

Ob sich die Investition am Ende rechnet, hängt von Ausrichtung, Eigenverbrauch und Größe zusammen ab – die Zusammenhänge erklärt der Ratgeber Lohnt sich eine Solaranlage?.

Wie lasse ich mein Dach automatisch einschätzen?

Sie müssen Ihre Dachfläche nicht selbst ausmessen. Geben Sie einfach Ihre Adresse ein – wir werten Satellitenbilder aus und ermitteln Größe und Ausrichtung Ihres Daches automatisch. Die erkannten Werte fließen direkt in Ihre Einschätzung ein und lassen sich jederzeit anpassen.

Häufige Fragen

Lohnt sich Solar auf einem Norddach?

Reine Nordflächen lohnen sich meist nicht. Sie liefern nur etwa 60 % des Ertrags einer vergleichbaren Südfläche und bringen über den Tag wenig zur Deckung des Eigenverbrauchs. Sinnvoller ist es, zuerst die süd-, ost- oder westgerichteten Dachseiten voll zu belegen und das Norddach frei zu lassen.

Wie viel Dachfläche brauche ich pro Kilowatt-Peak?

Rechnen Sie mit rund 5,5 m² Modulfläche je kWp bei modernen 430-Wp-Modulen, inklusive Abständen also grob 5 bis 7 m² Dachfläche je kWp. Entscheidend ist die zusammenhängende, gut ausgerichtete Fläche – nicht das gesamte Dach inklusive Nordseite, Gauben und Schornsteinen.

Ist ein flaches oder ein steiles Dach besser für Solar?

Die ideale Neigung liegt in Deutschland grob zwischen 30 und 35 Grad. Flachere oder steilere Dächer funktionieren aber ebenfalls gut – die Ertragsunterschiede sind kleiner, als viele denken. Auf echten Flachdächern werden die Module aufgeständert; durch die nötigen Reihenabstände bleiben dort nur rund 60 % der Fläche nutzbar.

Wie stark senkt Verschattung den Ertrag?

Das hängt von Dauer und Lage des Schattens ab. Ein Baum, Schornstein oder Nachbarhaus kann einzelne Module über Stunden ausbremsen und so eine ganze Strangleistung drücken. Leistungsoptimierer oder modulweise Wechselrichter mildern den Effekt, dauerhaft stark verschattete Flächen bleiben aber wenig ergiebig.

Kann ich mehrere Dachseiten gleichzeitig belegen?

Ja, das ist sogar häufig sinnvoll. Eine Ost-West-Belegung verteilt die Erzeugung auf Morgen und Abend und erhöht so den Eigenverbrauch. Moderne Wechselrichter verarbeiten mehrere Ausrichtungen über getrennte Eingänge (MPP-Tracker), sodass sich Süd-, Ost- und Westflächen problemlos kombinieren lassen.

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Quellen & Methodik

Die Berechnungen von Solarwerte+ beruhen auf öffentlich zugänglichen Marktdaten. Wie wir daraus Anlagengröße, Ertrag und Wirtschaftlichkeit ableiten, lesen Sie unter So funktioniert Solarwerte+.